Martinschule Augsburg

Die Martinschule im Augsburger Stadtteil Oberhausen versteht sich als Anbieter sonderpädagogischer Hilfen. Vor Ort in der Grund- und Mittelschule oder in unseren eigenen 18 Förderklassen von der ersten bis zur neunten Jahrgangsstufe. In unserem Förderzentrum unterrichten wir Schülerinnen und Schüler mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und Verhalten und Erleben.

Von Dezember 2011 bis Januar 2014 hat die Martinschule an einem bayernweiten Schulversuch teilgenommen. Als erste Klasse einer Förderschule in Schwaben wurde die Ganztagsklasse der damaligen 8. Jahrgangsstufe eine "TabletPC-Klasse".

 

Ziel des Projekts an unserer Schule ...

... war es, die Chancengleichheit der zukünftigen Schulabgänger im Umgang mit neuen Medien und insbesondere auf dem Lehrstellenmarkt zu fördern. Ganzheitliches und umfassendes Lernen sollte ermöglicht werden. Dabei sollten Technik und damit zusammenhängende Organisationsformen an den besonderen Fähigkeiten und Bedürfnissen unserer Schüler ausgerichtet werden.

Eine TabletPC-Klasse beinhaltet, dass möglichst jede/r Schüler/in jederzeit Zugang zu einem TabletPC hat, um damit im Unterricht Aufgaben zu bearbeiten, Recherchen durchzuführen, Präsentationen zu erstellen, (technische) Zeichnungen anzufertigen etc. Die Geräte sollten nicht um ihrer selbst willen, sondern als selbstverständliches Werkzeug neben Schulbuch und Heft ständig verfügbar und einsatzbereit sein.

 

Ausstattung

Die Klasse wurde dank Sponsoren und Partnern mit

  • TabletPCs für die Schüler(innen) und Lehrer
  • einem NAS für Datenaustausch und Speichern im Klassennetzwerk
  • einem interaktiven Whiteboard
  • Internetzugang

ausgestattet.

 

 

TabletPC

Uns wurden von der Firma Fujitsu 10 Stylistic Q550 für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Sie werden mit langer Akku-Laufzeit, WLAN, gummierter Außenseite und USB-Anschluss beworben und schienen uns auch wegen ihrer Stift- und Multi-Touch-Fingereingabe geeignet.

 

NAS

Ein NAS (= Network Attached Storage, dt. netzgebundener Speicher) ist ein einfach zu verwaltender Dateiserver. Er basiert auf einem Linux-Betriebssystem und ermöglichte uns ohne hohen Aufwand Speicherkapazität in unserem internen Klassenraum-Netzwerk bereitzustellen.

Wir nutzten ihn zum Dateiaustausch (dafür haben wir die gemeinsamen Ordner "Ausgeben", "Einsammeln" und "Tauschordner" eingerichtet. Außerdem verfügte jede/r Schüler/in über ein eigenes home-Laufwerk, den Hauptspeicherort für die eigenen Dateien.

Auf diese Weise konnten wir Arbeitsaufträge und -materialien den Schülern schnell und unkompliziert individuell zuteilen oder allen zur Verfügung stellen. Die Schüler/innen hatten die Ordner als Netzlaufwerke auf ihren Netbooks eingebunden und konnten so schnell mit nur zwei Klicks darauf zugreifen und sie vom ersten Tag an selbstständig nutzen.

Die NAS war umso wichtiger, als die Martinschule zu Beginn des Projektes im Gebäude der Klasse noch keinen Internetzugang hatte. Dieser wurde erst zwei Monate später freigeschaltet. Da auch nicht alle Schülerfamilien über einen Zugang zum weltweiten Netz verfügten, wurden keine online-Laufwerke eingesetzt.

 

Interaktives Whiteboard

Im Rahmen des Projektes wurde außerdem ein Interaktives Whiteboard angeschafft. Es rundet das Szenario ab, da es ermöglicht, sich ebenso wie ein TabletPC mit Stift oder Finger steuern zu lassen. Die sich daraus ergebende Übereinstimmung nicht nur in der Ansicht, sondern auch in der Bedienung ist für unsere Schülerschaft besonders wichtig. Außerdem können die Schüler ihre Arbeitsergebnisse dadurch leicht präsentieren. Selbstgesteuertes und selbstverantwortliches Lernen sollte so gefördert werden.

Durch Umbauarbeiten erzwungene Klassenraumwechsel (3 Mal in 18 Monaten) machten es erforderlich, das IWB von der Wand zu nehmen und auf einen mobilen Ständer zu montieren. Damit ging einher, dass die Tafel teils mehrmals täglich neu kalibiriert werden musste, obwohl dazwischen keine Bewegungen stattgefunden hatten. Seit der neuerlichen Montage in einem Klassenzimmer neben einer „grünen“ Tafel hat sich die Häufigkeit der Kalibrierungen deutlich reduziert.

Die Jugendlichen hatten kaum Schwierigkeiten mit der Umstellung. Einige wurden, weil die zugehörige Software auch auf den Slates installiert war, zu regelrechten Experten, die Außenstehenden jederzeit eine fundierte Einführung in die Möglichkeiten und Besonderheiten der digitalen Tafel geben konnten.

 

Netzwerkadministration

Dabei sollte der Unterricht nicht durch komplizierte Netzwerkumgebungen, anfallende Wartungsarbeiten, „Kabelsalat“, unübersichtliche Bildschirmoberflächen und auf unerlaubten Internet-Seiten surfende Jugendliche gestört bzw. beeinträchtigt werden.

Die Administration des Klassennetzwerks war erheblich aufwändiger als zunächst gedacht. Nicht nur die Beschaffung der benötigten Netzwerkkomponenten (siehe oben), sondern auch das Installieren, Konfigurieren und aktualisieren nahm viel Zeit in Anspruch. Hin und wieder konnte der Unterricht nicht wie geplant gehalten werden, weil wichtige Komponenten fehlten oder ausfielen. Anders als in Unternehmen, wo ausgebildete Mitarbeiter Wartungsarbeiten zeitnah durchführen können, verging im Tagesgeschäft Schule und Unterricht immer wieder Zeit, bis Fehler behoben werden konnten.


PC-Kenntnisse der Schüler/innen

Uns war bekannt, dass alle Schülerinnen und Schüler der Projekt-Klasse bereits vor Einführung der Geräte Erfahrungen im Umgang mit PCs oder Notebooks sammeln konnten. Einige hatten nur bei Freunden Zugang zu dieser Technik, die meisten besaßen jedoch eigene Computer. Wir rechneten hinsichtlich der Kenntnisse im Umgang mit dem Betriebssystem (Windows 7) und Programmen mit einer großen Heterogenität.

Trotz wohlüberlegter Einführungen und intensiver Nutzung waren wir jedoch erstaunt, dass manche Schülerinnen bis zum Schluss immer wiederkehrende Routinen nicht sicher beherrschten. Es ist zu vermuten, dass ein „learning-by-doing“ bei unseren Schülern nur erfolgsversprechend ist, wenn eine gewisse Affinität für das Medium vorhanden ist, auch wenn ich ein grundsätzliches Interesse am Umgang nicht abstreiten will.

Es kann deshalb nicht sicher gesagt werden, ob die Schülerinnen und Schüler durch den zeitintensiven und jederzeit verfügbaren Umgang mit den Tablets tatsächlich Vorteile gegenüber anderen hinsichtlich Ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Computern haben. Ein Vergleich an der eigenen Schule z. B. mit der Parallelklasse konnte nicht gezogen werden, weil, wie bereits beschrieben, für andere Schüler der Schule kein PC-Raum zur Verfügung stand.

Um effektiv von Beginn an mit Netbooks oder Tablets in Klassen arbeiten zu können, ist sicherlich ein schulischer, im Idealfall von der Grundschulstufe an curricular aufgebauter PC-Unterricht notwendig, sodass fundierte Grundkenntnisse im Umgang mit Geräten und Programmen, mit Ordnerstrukturen und systemtypischen Vorgehensweisen bei möglichst allen Schülern vorausgesetzt werden können.

 

Fazit:

Aufgrund der von uns gemachten Erfahrungen ist es auf jeden Fall sinnvoll, Klassen umfassend mit mobilen Geräten auszustatten. Ich empfehle aber, Netbooks oder Notebooks zu verwenden, da sie mit einer stets verfügbaren Tastatur deutliche Vorteile auch hinsichtlich des Platzbedarfs (anstatt Slate auf Buchstütze mit externer Tastatur) auf dem Schülerarbeitstisch haben. Sollten Geräte mit Touchscreen in Frage kommen, muss gewährleistet sein, dass die Technik einwandfrei und wenn möglich ohne batteriebetriebene Eingabehilfen funktioniert.

Augsburg, 18. Januar 2014